#11: Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilkundlichen Arzneimitteln

Shownotes

Was sind Naturheilkundliche Arzneimittel? Endet man am Ende immer bei Kügelchen/Globuli? Gibt es Zulassungsverfahren? Kann ich diese Mittel selbstbestimmt einnehmen, nach dem Motto: Hilft es nicht, schadet es nicht? Gibt es Gefahren, oder Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten? Hilft ein Mittel bei jedem meiner Kinder, in ein und der Selben Situation? Was sind die Möglichkeiten, was die Grenzen? Fragen, Glaubenssätze und Grauzonen, welche wir mit der Schweizer Naturpraktikerin Savina Wöhrle-Specogna in Klarheit bringen.

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00:00:00: Grit: Herzlich willkommen zum Podcast „Das Kind braucht einen Namen". Der Podcast für Ihre Gesundheitskompetenz am Wochenende, an Feiertagen und nachts um zwei.

00:00:12: Daniela: Mit

00:00:12: Grit: Daniela Ammon und Grit Knop

00:00:18: Daniela: Herzlich willkommen zu unserer neuen Folge. Wir haben heute Savina zu Gast. Savina kommt ursprünglich aus der Finanzbranche, das heißt alles, was mit Daten, Zahlen, Fakten, äh, Tabellen, Erhebungen, Vergleichen, schwarz-weiß, geradeaus zu tun hat und leitet jetzt mittlerweile mit ihrer Schwester zusammen eine erfolgreiche Naturheilpraxis in der Schweiz für Kinder und Erwachsene und kam zu uns mit dem Thema als Wunsch, ob das nicht ein Gedanke wert wäre, mal in die Öffentlichkeit zu tragen, was Naturheilkunde bedeutet, ob's am Ende dann immer Globuli und Kügelchen sind oder ob da viel mehr dahinter steckt und was am Ende Natürliche naturheilkundliche Arzneimittel sind, was die können, was die nicht können, wo die Möglichkeiten stecken und wo die Grenzen.

00:01:19: Daniela: Und die Naturheilkunde kommt ja immer wieder ins, äh, Fegefeuer so ein bisschen und wird beschossen in der Öffentlichkeit und da kann ich aus eigener Berufserfahrung sagen: Pfuscher gibt's auf beiden Seiten, in der Schulmedizin wie bei den Naturheilkundlern und es gibt genauso auf beiden Seiten fantastische Kolleginnen und Kollegen, die sich sehr für ihre Patienten und Klienten einsetzen, die engagiert sind, die Fort- und Weiterbildungen besuchen, die sich belesen, die andere Kollegen dazu ziehen, wenn sie nicht weiterkommen, die weiterüberweisen, die auch ganz klar Grenzen benennen und sagen, wenn's bei ihnen nicht weitergeht, die Naturheilkunde und Schulmedizin zum Teil verbinden.

00:02:08: Daniela: Und von dieser Seite denke ich, ist es auch schön zu hören, dass es Naturheilkundler gibt, die auch ganz klar ihre Grenzen und ihren Rahmen benennen können und zu dem stehen. Und da freue ich mich sehr, dass die Sabina heute bei uns ist und mit uns das Thema angeht. Liebe Sabina, wie sieht bei dir der Alltag aus?

00:02:32: Daniela: Möchtest du 'n paar Worte zu dir sagen und uns 'n bisschen beschreiben, was ist so dein Fachbereich? Wie arbeitest du?

00:02:42: Sabina: Ja, sehr, sehr gerne. Vielen Dank, dass ich heute dabei sein darf, liebe Grit, liebe Daniela und für die Einleitung, liebe Daniela. Ich bin eidgenössisch diplomierte Naturheilpraktikerin TIN.

00:02:53: Sabina: Das heißt, ich arbeite ganzheitlich, äh, mit dem traditionell europäisch naturheilkundlichen Wissen. Und wie du schon gesagt hast, begleite Erwachsene wie auch Kinder. Das find ich auch wichtig zu erwähnen, weil nicht automatisch klar ist, dass man sich mit beiden Bereichen auskennt. Kinderheilkunde ist auch in der Naturheilkunde genauso speziell wie jetzt Kinderärzte sich auch spezialisiert hab, äh, haben auf Kinder.

00:03:20: Sabina: Mir liegen sie sehr am Herzen und Prävention ist mir ebenfalls wichtig. Ich würde sagen, mein Fokus liegt vor allem auf der Gesamtsituation der Klienten, ihnen gut zuzuhören und mit ihnen ihre Ressourcen zu ergründen. Und ja, wie du erwähnt hast, ich bin einerseits sehr analytisch und pragmatisch unterwegs, andererseits aber auch sehr offen für alles oder auch offen geworden für alles, was vielleicht noch nicht hundertprozentig belegbar ist oder mit Studien untermauert werden kann, aber ich selber erlebe, dass es funktioniert.

00:03:52: Sabina: Und meine Hauptmethoden, die ich anwende, sind die westlichen Pflanzenheilkunde, rationale Phytotherapie wie auch humoralmedizinisch nach der Vier-Elementen-Lehre, generell Arzneimitteltherapie, ausleitende Verfahren, Fußreflexzonentherapie und Ordnungstherapie. Das heißt, Impulse zur individuellen gesunden Lebensführung.

00:04:14: Sabina: Und ja, wenn ich von ganzheitlich spreche, dann nicht, weil ich immer alles weiß und berücksichtigen kann, sondern weil ich die Absicht habe, Körper, Geist und Seele in die Therapie mit einzubeziehen. Oder anders ausgedrückt: Ich betrachte Körper, Energie, Emotionen, Mentales und vielleicht auch Spirituelles als gleichwertige Ebenen, die alle Aspekte der Gesundheit eigentlich beinhalten.

00:04:38: Sabina: Und ja, der Blickwinkel kann sich ändern. Je nach Ausgangslage ist vielleicht die eine Methode dann passender wie die andere. Genau.

00:04:46: Daniela: Wunderbar. Und wie ist es denn jetzt so: Was versteht man unter naturheilkundlichen Arzneimitteln? Was ist da der Unterschied? Wie sieht das aus?

00:04:59: Sabina: Ja, also ich denke, der ganz große Unterschied ist, dass in der Naturheilkunde, dass man da, wie schon bisschen angesprochen, die Wirkungsebenen unterscheidet.

00:05:08: Sabina: Also es gibt beispielsweise die orthomolekulare Therapie. Da geht's um Mineralstoffe, Vitamine, Fettsäuren, Aminosäuren. Das ist ganz strukturell auf den Körper bezogen. Das ist auch das gute alte Vitamin C, das man, ja, vielleicht auch vom Hausarzt kriegen würde. Die Phytotherapie, die Pflanzenheilkunde. Ist ein ganz großes, wichtiges Gebiet und da ist der Hauptunterschied nicht mal unbedingt die Zulassung.

00:05:37: Sabina: Also diese Mittel werden auch zugelassen und unterliegen klaren Richtlinien. Es sind dann aber sogenannte Vielstoffgemische meistens. Es gibt nicht nur einen Wirkstoff dann in, in einem Naturheilmittel, während dem aber so in klassischen synthetischen Medikamenten, da ist dann meistens ein Wirkstoff drin.

00:05:59: Sabina: Und das ist dann natürlich teilweise dann auch 'n bisschen einfacher, vielleicht Studien dazu zu haben, weil man dann einfach auf einen Wirkstoff eingehen kann. Und bei Naturheilmitteln gibt's inzwischen auch ganz viele Studien und es ist ganz klar belegt. Also das wirkt. Man hat eine Indikation, man hat, man weiß, was gibt's für mögliche Nebenwirkungen.

00:06:21: Sabina: Man weiß auch, was gibt's vielleicht für unerwünschte Wirkungen. Und wenn man dann das vielleicht vergleicht mit, ähm, Methoden wie der Spagyrik, der Gemmotherapie, der Homöopathie oder vielleicht auch anthroposophischen Arzneimitteln oder Bachblüten. Da, je nachdem, hat's noch Inhaltsstoffe drin oder Wirkstoffe, die man nachweisen kann.

00:06:44: Sabina: Aber beispielsweise bei der Homöopathie ab einer gewissen Potenz findet man in dem Sinne keinen physischen Wirkstoff mehr drin und da kommt's dann halt auch dann in die Kritik. Ja, das kann ja gar nicht wirken, da ist ja gar kein Wirkstoff mehr drin. Ich kann aber aus meiner Erfahrung sagen, das wirkt sehr wohl, wenn es richtig angewendet wird.

00:07:07: Sabina: Bin aber auch der Meinung Dass es jedem freisteht, welche Mittel er gerne anwenden möchte. Und zumindest in der Schweiz, Naturheilpraktiker, die kennen sich oder meistens kennen sich auf jeden Fall aus mit der Pflanzenheilkunde, die absolut belegbar ist und 'ne Grundlage hat.

00:07:26: Grit: Und, ähm, ich grüße dich auch so nach 'ner halben Stunde.

00:07:30: Grit: Schön, dass du da bist.

00:07:32: Daniela: Hallo Chris, schön, dass du

00:07:33: Grit: auch mit

00:07:34: Daniela: da bist.

00:07:34: Grit: Herzlich willkommen. Danke. War anfangs ein bisschen schwierig reinzukommen. Ja, aber ich bin da. Genau und find das, äh, total spannend, was du da, äh, erzählst und auch erzählen wirst noch. Ähm, mit den Zulassungen, also wer, wer macht denn zum einen mal diese Zulassung auch der Phytotherapien?

00:07:54: Grit: Also gibt es da 'ne offizielle, ähm, Stelle, die das macht? Und das andere, was mich interessiert: Kannst du denn auch, äh, unseren Zuhörern und Zuhörerinnen sagen, wo man solche Studien denn nachlesen kann? Weil es ist ja immer leicht gesagt, boah, es gibt Studien darüber, über die Wirksamkeit, aber wenn jemand sich damit näher beschäftigt, vielleicht hat die Person dann Lust, äh, auch tatsächlich mal, äh, was nachzulesen über die Wirksamkeit.

00:08:18: Grit: Kannst, hast du da 'n Tipp, wo man etwas, äh, nachlesen kann?

00:08:23: Sabina: Also wenn ich gerade hinten anfangen kann, also nachlesen, man kann-

00:08:26: Grit: Sorry, große Fragen auf einmal.

00:08:28: Sabina: Alles gut, dafür bin ich ja da. Also Studien findet man sehr schnell ganz viele, wenn man einfach ein Stichwort eingibt in die Suchmaschine. Also das ist wirklich gar kein Problem.

00:08:38: Sabina: Die Frage ist dann, ob, ob's auch öffentlich zugänglich ist bei Elsevier oder bei PubMed. Also da gibt's, da kann man zum Beispiel Stichwort Johanniskraut eingeben, Johanniskraut-Studie. Da kommt relativ schnell was. Das ist nicht so 'n Problem. Bei den Zulassungen, da weiß ich's jetzt halt, ja, weil ich in der Schweiz tätig bin und zugelassen, das ist die Swissmedic, die das reguliert.

00:09:03: Sabina: Also genauso wie die anderen Arzneimitteln durchlaufen auch naturheilkundliche Arzneimittel die üblichen Kontrollen und man kann auch auf compendium Punkt ch kann man die Heilmittel auch aufrufen. Also das kann jeder zu Hause machen. Wenn man mal was in den, in den Fingern hat, kann man mal schauen, ja, wann wurde das zugelassen?

00:09:26: Sabina: Man kann auch die Packungsbeilagen da anschauen. Da gibt's einfach den einen Unterschied, dass wenn etwas registriert wurde als pflanzenheilkundliches Mittel, dann gibt's ganz klar die, die üblichen Packungsbeilagen. Wenn jetzt aber 'n Präparat als Homöopathikum beispielsweise zugelassen ist- Dann wird da quasi drauf, die haben wie so 'ne spezielle Zulassung.

00:09:52: Sabina: Das, da steht da nicht drin, ähm, bei Husten bitte so und so viele Globuli anwenden, weil die Homöopathie, die wird einfach nach anderen Regeln angewandt. Also da kann man das Mittel dann quasi schon, das ist dann registriert, aber man kann, man braucht dazu 'ne Fachperson, die ein, die einen berät, was, wie viel und wann.

00:10:14: Grit: Für welche Beschwerden denn kannst du vielleicht gerade so heraus sagen, könnte man naturheilkundliche Mittel, ja, verwenden oder sind's besonders geeignet, ähm, wo man sagen kann: "Okay, das kann man vielleicht auch ohne klassische medizinische Intervention angehen?"

00:10:33: Sabina: Ja, also ich würde sogar sagen, für alle Zustände, welche keine jetzt gerade akute Gesundheitsgefahr darstellen oder die abgeklärt und behandelt werden müssen ärztlich.

00:10:42: Sabina: Also beispielsweise auch so regulative Vorgänge wie Zyklusbeschwerden, Schlafbeschwerden, Konzentrationsstörungen. Das sind alles, ja, ich sag jetzt mal Bereiche, wo man sehr viel machen kann. Stärkung des Immunsystems, Organstärkung, Verdauungsbeschwerden. Ja, die Liste wäre endlos. Also ich denke, wichtig ist einfach, dass man, bevor man irgendetwas auf eigene Hand auch versucht zu machen, dass man einfach weiß, es wurde alles abgeklärt ärztlich.

00:11:15: Daniela: Gibt's denn Studien, wo man jetzt benennen kann, wo man weiß, okay, da helfen zum Beispiel pflanzliche Arzneimitteln richtig gut?

00:11:25: Sabina: Ja, also die Studien, die kann man, die kann ich jetzt nicht, äh, alle au-auswendig aufzählen. Die, die findet man bei PubMed, die findet man auch, wenn man's in die Suchmaschine eingibt.

00:11:35: Sabina: Aber man kann zum Beispiel dann suchen nach, äh, Johanniskrautpräparate bei leichten bis mittelgradigen Depressionen. Ein weiteres gutes Beispiel wäre die Kapuzinerkresse und Meerrettich bei Harnwegsinfektionen. Das wäre zum Beispiel das Präparat Angocin. Pestwurzel wirkt bei Heuschnupfen ähnlich effektiv wie Antihistaminika, jedoch ohne die sedierende Nebenwirkung, was sehr interessant sein kann für gewisse Menschen.

00:12:00: Sabina: Efeublätter wäre noch ein Beispiel bei Husten, äh, als schleimlösende bronchienerweiternde und entzündungshemmende Wirkung. Baldrianwurzel ist, glaub ich, vielen bekannt für die Verbesserung der Schlafqualität. Ja, das wären so Beispiele, wo man schnell was findet. Das, das betrifft jetzt die ganz klar die Phytotherapie.

00:12:20: Daniela: Und es ge-- ist ja so oftmals, grad auch was so Globulis und Kügelchen und so angeht, da ge-- ist ja ganz oft die Meinung, na ja, das nehm ich jetzt und wenn's nicht hilft, na ja, dann schadet's auch nicht. Aber es ist ja aufgemerkt, auch in der Naturheilkunde gibt es Risiken, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und auch durchaus Schäden, die man damit hervorrufen kann.

00:12:47: Daniela: Wie sieht's da aus?

00:12:49: Sabina: Ja, absolut. Und das find ich auch super, dass ihr das fragt und anspricht, weil das ist 'n Riesenthema. Es hat auch 'n Grund, weshalb wir das lernen, weil sonst könnte man ja sagen, ja gut, könnte einfach jeder 'n Buch zu Hause haben und alles ist okay. Es ist wirklich sehr wichtig, dass man die Ausgangslage ganz, ganz genau anschaut.

00:13:07: Sabina: Vor allem auch, werden andere Medikamente genommen oder nicht? Gibt es Vorerkrankungen? Weil auch pflanzenheilkundliche Mittel müssen, dürfen vom Körper verstoffwechselt und abgebaut werden. Und das setzt halt einfach da gewisse Dinge voraus. Im Grundsatz kann man, glaub ich, schon, kann ich's jetzt wagen zu sagen, dass die Nebenwirkungen jetzt nicht unbedingt vergleichbar sind mit synthetischen Mitteln teilweise, aber es gibt ganz klar auch da unerwünschte Wirkungen.

00:13:36: Sabina: Also ganz wichtig ist natürlich, dass man schaut, gibt es Allergien? Weil wenn jetzt jemand zum Beispiel 'ne Korbblütlerallergie hat, dann sollte er natürlich kein Kamilleprodukt nehmen, weil sonst kann er darauf allergisch reagieren. Dann ist es auch wichtig, ist man schwanger oder stillend. Also das ist gar nicht so, dass da einfach alles okay ist.

00:13:55: Sabina: Also auch nicht in der Stillzeit. Ist ganz wichtig, dass man das genau anschaut und das ist auch etwas, was man nicht unbedingt in der Packungsbeilage findet oder Oder im Kompendium, weil da steht dann meistens ja, besser nicht anwenden. Und da hab ich auch, mhm, ja gewisse Quellen, wo ich mich darauf verlassen kann, aber die sind nicht öffentlich zugänglich.

00:14:16: Sabina: Und das ist schon sehr wichtig, dass man das schaut. Auch bei den Globuli, auch wenn das, ja, vielleicht 'n bisschen kontrovers ist, da gibt's die sogenannte Arzneimittelprüfung. Also wenn ich jemandem das falsche Mittel verschreibe, das nicht passt, kann's sein, dass die Person dann Symptome macht, die nicht erwünscht sind.

00:14:36: Sabina: Und das ist jetzt vielleicht nicht in erster Linie dann gleich gefährlich, aber definitiv nicht angenehm. Also auch bei der Homöopathie gibt's ganz klar Situationen oder ich wähle 'n Mittel, das nicht passt und die Entzündung, es gibt dann so 'ne sogenannte sehr starke Erstverschlimmerung und das ist nicht angenehm.

00:14:54: Sabina: 'N Kind, das 'ne Mittelohrentzündung hat und dann die ganze Nacht durchschreit, weil's noch schlimmer wird. Man kann auch mit Homöopathie, bin ich der Meinung, falsche Empfehlungen abgeben und das ist in der Verantwortung der Fachperson.

00:15:08: Daniela: Gibt's denn so gängige Medikamente, die dir einfallen, wo leicht mal 'ne Wechselwirkung auftritt, also wo man sich wirklich gut erkundigen sollte und besprechen sollte?

00:15:21: Grit: Oder die auch aufgehoben werden von der Wirksamkeit her? Das gibt es ja auch.

00:15:25: Sabina: Ja genau. So der Klassiker wäre wahrscheinlich so das Johanniskraut, das Hypericum, das eben oft gegeben wird, unter anderem bei leichten bis mittelgradigen depressiven Verstimmungen. Da muss man schauen. Das kann sein, dass da der Leberstoffwechsel sich 'n bisschen verändert, dass gewisse Stoffe schneller abgebaut werden.

00:15:43: Sabina: Also da bezüglich Antibabypille, das sollte man schon genau abklären mit einer Fachperson. Manchmal geht's, manchmal nicht. Es gibt auch da verschiedene Präparate. Und wenn man jetzt vor einer Operation steht, war mal 'n Thema, dass Ginkgo vielleicht nicht ideal ist wegen der Blutungsneigung. Das ist so 'n bisschen, soweit ich weiß, Stand heute ist man da jetzt wieder 'n bisschen davon weggekommen, aber man muss ja auch nicht unbedingt 'n Risiko eingehen.

00:16:11: Sabina: Aber auf jeden Fall Sollte man das mit der Fachperson besprechen. Und wenn's der Arzt in dem Sinne nicht beantworten kann, dann auf jeden Fall die Person, die einem das Mittel verschrieben hat, einfach ansprechen dann.

00:16:24: Daniela: Du hast es ja vorhin angesprochen mit dem, dann könnte ja jeder zu Hause ein Buch haben und sich selbst behandeln.

00:16:32: Daniela: Es gibt ja ganz viele Bücher und so Quickfinder und Zusammenfassungen, die ja für so Selbstbehandlungen schon fast geschrieben wurden oder ja, werden ja auch so verkauft. Was sind denn die klaren Grenzen der Wirksamkeit und vor allem auch der Selbstbehandlung?

00:16:53: Sabina: Ja, also grundsätzlich befürworte ich diese Bücher und ich find es auch schön, dass es so viele gute Literatur gibt, die einem zu Hause auch hilft.

00:17:01: Sabina: Ich glaube, äh, im Grundsatz für alles, was so in die Sparte ist mir unangenehm oder ich hab 'ne 0815 Erkältung und ich möchte da jetzt gerne Linderung, da sehe ich jetzt persönlich jetzt nicht unbedingt ein großes Problem. Aber in all diesen Ratgebern, zumindest die, die ich kenne, wird auch ganz klar kommuniziert, wo die Grenzen sind.

00:17:22: Sabina: Aber ich glaube, die einen, die überlesen die dann teilweise auch. Die denken dann: "Ja, nein, für das gehe ich jetzt sicher nicht zum Arzt" oder "da frage ich jetzt sicher keine Fachperson". Und- Ich glaube, wenn man sich bewusst ist, dass alles, was man nimmt, also auch man, man darf ja auch selber in 'ne Apotheke gehen und sich ein Schmerzmittel holen.

00:17:41: Sabina: Und ich würde das einfach ganz gleich handhaben wie auch mit den synthetischen Arzneimitteln. Man muss unbedingt die Packungsbeilage lesen. Die Packungsbeilage hat einen Sinn und es ist wichtig, dass man die genau liest. Und wenn da etwas auf einen zutrifft, nicht einfach nehmen, sondern ja einfach nachfragen.

00:17:59: Sabina: Das kann aber auch die Apotheke machen, teilweise. Oder die Drogerie. Die sind auch sehr versiert mit

00:18:05: Daniela: den

00:18:06: Sabina: Arzneimitteln.

00:18:07: Grit: Vor allen Dingen, wenn man auch noch sowieso schon Medikamente auch nimmt, ne, synthetische Medikamente nimmt, dass man da wirklich bevor man da irgendwie was zu was, ähm, Alternativmedizinischem greift, dass man das vielleicht vorher auch noch mal abklärt mit dem Arzt oder dem Apotheker.

00:18:22: Sabina: Ganz genau.

00:18:23: Daniela: Genau, die Drogerie in der Schweiz hat ja 'ne andere Zuständigkeit wie jetzt zum Beispiel in Deutschland, also in der Schweizer Drogerie und ansonsten in Deutschland und in Österreich in der Apotheke. Oder dann eben mit dem eigenen Arzt besprechen. Ganz klar. Gibt's denn Personengruppen, die da besonders vorsichtig sein sollten?

00:18:48: Sabina: Ja, also ich würde sagen, ganz sicher Personen, die, äh, 'ne chronische Erkrankung haben, die Beschwerden haben, die sie noch nicht ärztlich abgeklärt haben und die aber immer wieder kommen oder die hoch akut sind. Also klar, also find ich selbstredend, lebensbedrohliche Situationen ist kein, keine Indikation für Naturheilmittel.

00:19:09: Sabina: Bei Kindern und Babys auch bitte nicht ausprobieren. Wenn jetzt 'n, 'n Säugling gerade so in den ersten Monaten Fieber hat, lieber nicht dann irgendwas selber ausprobieren, sondern das sollte wirklich vorgestellt werden beim Kinderarzt. Auch unter einem Jahr pflanzenheilkundliche Mittel sind in, in der Regel unter einem Jahr nicht empfohlen.

00:19:31: Sabina: Es gibt sicher immer mal wieder Ausnahmen, aber das gehört dann wirklich in die Hände einer Fachperson.

00:19:38: Daniela: Und wie finden Patientinnen und Patienten seriöse Informationen oder erkennen unseriöse Versprechen wie, ähm, ja, Neben-nebenwirkungsfrei oder überspitzt gesagt halt jede chronische Krankheit. Das ist jetzt, sind jetzt sehr klare Aussagen, wo denke ich, jeder kritisch werden darf.

00:20:00: Daniela: Aber was gibt's so Anhaltspunkte, wo man Ja, seriös von unseriös unterscheiden kann als Laie?

00:20:09: Sabina: Also ich würde jetzt mal davon ausgehen, dass ich da jetzt nicht nur von der Schweiz spreche, wenn ich sage, wenn ein, ein Heilmittel erhältlich ist in einer Apotheke und man da auch eine gute Beratung bekommt, dass man sicher davon ausgehen kann.

00:20:22: Sabina: Da hat's eine gewisse Evidenz auch dahinter oder es ist auf eine gute Art hergestellt. Ich wäre sehr vorsichtig, wenn man jetzt im Internet selber etwas bestellt. Das kann durchaus mal Sinn machen. Man hat halt einfach keine Garantie und dann kommt's halt auch je nachdem darauf an, wo kommt es her? Also teilweise kann es vielleicht ein gutes Präparat sein, aber es ist dann vielleicht mit, äh, Schwermetallen belastet, weil's irgendwie 'ne Pflanze ist aus irgendeinem Land, wo's nicht so gute Bestimmungen gibt.

00:20:49: Sabina: Und alles, was in der Schweiz zugelassen ist, zumindest das so viel weiß ich bei der Swiss Medic, das wird angeschaut. Ja, aber auch wenn man jetzt beispielsweise einen Lindenbaum im, im Garten hat und, und man sammelt die, das kann man durchaus anwenden. Wenn man weiß, was es für 'ne Pflanze ist und man sich hundertprozentig sicher ist, dass es auch wirklich Linde ist.

00:21:12: Sabina: Wenn man 'ne Heilwirkung möchte, dann braucht man einfach ein offiziell zugelassenes Arzneimittel. In der Schweiz sind die gekennzeichnet mit den Kategorien E oder D oder C. Es gibt auch, glaub P-Mittel. Ja. Die sind dann aber verschreibungspflichtig.

00:21:27: Daniela: Und wie kombiniert ihr jetzt in eurer Praxis Schulmedizin, Naturheilkunde und wie zieht ihr selber die Grenzen?

00:21:38: Sabina: Ja, es ist eigentlich, war immer schon Teil unserer Ausbildung, dass wir 'n fundiertes schulmedizinisches und also ja, anatomisches pathologisches Wissen haben. Also wir sind geschult darin, dass wir wissen, wo sind wir nicht die richtige Anlaufstelle. Und wenn, ja, wir aber rückgemeldet bekommen, auch in der Anamnese beispielsweise, es wurde alles abgeklärt und jetzt hat jemand funktionelle Verdauungsbeschwerden, dann wissen wir automatisch doch, da können wir jetzt mit unseren Methoden versuchen, das Richtige zu finden.

00:22:09: Sabina: Und das ist dann, das kommt dann auch in der Interaktion mit dem Klienten zustande. Das kommt auch darauf an, beispielsweise möchte jemand lieber 'n Tee, möchte jemand lieber 'ne Tablette? Ist jemand, ist für jemanden in Ordnung, 'ne Urtinktur zu nehmen, die auf Alkoholbasis ist. Also wir haben da ganz viele Möglichkeiten, aber das kann man wieso nicht ganz- eindeutig für jeden sagen.

00:22:32: Sabina: Das wirklich sehr individuell und ich glaube, darin liegt halt auch die Stärke, dass wir ganz individuell auf die Person eingehen können und wir können aus einem riesigen Pool von Möglichkeiten schöpfen.

00:22:43: Daniela: Das heißt, vieles ist möglich, alles hat seine Grenzen und in einem seriösen Rahmen wird man auch, äh, dort beraten und wird einem auch klar signalisiert, wo die Grenzen sind und wo die Möglichkeiten stehen und wo man dann auch ein Stück weit für sich selber entscheiden kann, was für einen stimmt oder nicht.

00:23:06: Grit: Absolut.

00:23:07: Daniela: Vielen Dank, liebe Savina, für deinen Besuch. Vielen Dank für deine Darlegung und alles Liebe, alles Gute, bleib gesund.

00:23:16: Grit: Vielen Dank, dass du da warst, Savina, und unsere Fragen beantwortet hast so geduldig und schönen Abend euch allen. Tschüss. Vielen Dank, dass ihr die Fragen gestellt habt.

00:23:26: Daniela: Bis bald.

00:23:27: Daniela: Tschüss. Bei Fragen, Unsicherheiten oder einem unguten Gefühl kontaktieren Sie je nach Tag und Uhrzeit Ihre eigene Ärztin oder den eigenen Arzt, die eigene Hebamme, den eigenen Geburtshelfer oder die eigene Therapeutin, den eigenen Therapeut, die diensthabende Notfallapotheke sowie die Telefonnummer des ärztlichen Notfall- beziehungsweise Bereitschaftsdienstes.

00:23:55: Grit: Der Podcast gibt keine Heilungsversprechen. Der Podcast ist kein Ersatz für eine medizinische Abklärung. Der Grundgedanke dieses Podcasts ist es, eine Unterstützung zu geben, die aktuelle Situation besser einzuschätzen, in eine stabilere Handlungsfähigkeit zu kommen, Zusammenhänge leichter zu verstehen, sowie am Ende aufgestellter durch manche unangenehme Situation zu gehen und zu wissen, welche möglichen Anlaufstellen passende Unterstützung geben können.

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