#2 Was tun, wenn der eigene Hausarzt, oder Kinderarzt nicht erreichbar ist.
Shownotes
Wer kennt es nicht: Das Kind, oder man selbst wird krank, die Praxis hat geschlossen und die Frage, wer zuständig ist, bleibt vermeintlich offen. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie Sie am Wochenende, an Feiertagen oder Nachts die richtige medizinische Hilfe finden, was es mit der medizinischen Triage auf sich hat und wann Sie besser direkt die Sanität rufen. Außerdem sprechen wir über psychische Notfälle und stellen hilfreiche Hotlines vor. Wir wollen, dass Sie sich sicher fühlen, wissen, wo Sie Unterstützung bekommen und am Ende gelassener durch unangenehme Situationen gehen können, weil Sie Ihre Anlaufstellen zu jeder Zeit kennen.
Daniela Ammon: https://www.public-health-ammon.com Grit Knapp: https://www.taktil-therapie.ch
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00:00:00: Grit: Herzlich willkommen zum Podcast „Das Kind braucht einen Namen". Der Podcast für Ihre Gesundheitskompetenz am Wochenende, an Feiertagen und nachts um zwei. Mit Daniela Ammon und Grit Knop Schön, dass wir alle zusammenkommen.
00:00:20: Daniela: Herzlich willkommen.
00:00:21: Grit: Hallöchen.
00:00:22: Daniela: Heute reden wir über die Situation: Wann wende ich mich wohin, wenn die eigene Hausarzt- oder Kinderarztpraxis geschlossen ist?
00:00:31: Daniela: Wer kennt's nicht? Die Situation: Man holt sein Kind Freitagnachmittag vom Hort, von der Schule ab. Das Wochenende steht vor der Tür und das Kind kränkelt. Man selbst hat sich durch die Woche gehangelt und in der Nacht von Freitag auf Samstag, spätestens in der Nacht von Samstag auf Sonntag, kommt der große Gong.
00:00:53: Daniela: Man arbeitet am Wochenende im Garten, bekommt was ins Auge oder die Zahnschmerzen werden am Sonntagnachmittag unerträglich. Gefühlt ist niemand erreichbar oder zuständig und der scheinbar einzige gangbare Weg ist das Krankenhaus, das Spital.
00:01:13: Grit: Ja, aber ganz so ist es ja nicht. Im Krankenhaus ist zwar immer jemand da, aber-
00:01:21: Daniela: Aber jedes Krankenhaus, jedes Spital ist ein Mosaikstein im gesamten Gesundheitswesen und ist nicht automatisch zu jedem Zeitpunkt für jedes Anliegen die richtige Wahl oder die richtige Anlaufstelle.
00:01:37: Grit: Okay, jetzt stellen sich vielleicht einige die Frage, ähm, welche Anlaufstellen es noch so gibt.
00:01:43: Daniela: Also es gibt im deutschsprachigen Raum, sprich Deutschland, Österreich, Schweiz, immer einen ärztlichen ambulanten Notfalldienst. Bereitschaftsdienst, Picketdienst, je nach Sprachgebrauch. Heißt, Ärztinnen und Ärzte, welche zum Beispiel ambulant in einer Praxis arbeiten, leisten in einem gewissen Turnus zusätzlich zu ihren Sprechstundenzeiten Notfalldienst, indem sie entweder zusätzlich Patienten in ihrer Praxis am Tage betreuen, am Abend länger die Praxis geöffnet haben oder eben auch am Wochenende präsent sind.
00:02:24: Grit: Erzähl uns doch bitte unseren Zuhörern, wo man nachlesen kann, wer wann Notdienst hat.
00:02:30: Daniela: Indem man beispielsweise im Internet eingibt, ärztlicher Notfalldienst oder Bereitschaftsdienst, Pikettdienst und dann zum Beispiel den Namen der nächstgrößeren Stadt. Also zum Beispiel ärztlicher Bereitschaftsdienst Stuttgart.
00:02:49: Daniela: Oder man gibt das Bundesland an, also sprich ärztlicher Notfalldienst Hessen. Man kann, in der Schweiz sind's Kantone, da gibt man dann ärztlicher Notfalldienst Kanton Aargau zum Beispiel ein oder in Österreich sind's die Bezirke. Dann gibt man den Pikettdienst und den Namen vom dementsprechenden Bezirk ein.
00:03:13: Daniela: Was auch 'ne Möglichkeit ist, dass man direkt die Fachrichtung mit eingibt, zum Beispiel kinderärztlicher Notfalldienst oder gynäkologischer Notfalldienst, zahnärztlicher Notfalldienst und dann dementsprechend die Stadt oder das Bundesland, den Kanton oder den Bezirk.
00:03:33: Grit: Okay, und wenn man dann da anruft, was, was erwartet einen dann da?
00:03:37: Grit: W-- Wie geht das dann genau?
00:03:39: Daniela: Also oftmals kommt man an eine medizinische Triage-Stelle.
00:03:43: Grit: Ganz kurz dazwischen gefunkt für die Leute, die vielleicht nicht wissen, was eine Notfalltriage oder eine Triage ist.
00:03:51: Daniela: In einer Notfalltriage wird die Dringlichkeit der Versorgungsstufe geklärt. Das bedeutet, es wird aufgrund von Fragestellungen, aufgrund von Symptomen, aufgrund des Allgemeinzustandes, der Umstände, die den Menschen umgeben, wird festgelegt, in welcher Dringlichkeit, in welcher Zeitspanne Wann wie versorgt werden muss.
00:04:20: Daniela: Und daraufhin wird festgelegt, kann das telefonisch geklärt werden? Muss ein Arzt vor Ort kommen? Kann man das in der Praxis klären? Muss man in ein Spital? Kann man den Weg selbst zurücklegen oder muss es über die Sanität gehen? Weil nicht jede Fachabteilung ist in jedem Krankenhaus vertreten und auch nicht automatisch jede Fachabteilung hat vierundzwanzig Stunden einen Facharzt vor Ort.
00:04:49: Daniela: Zum Beispiel bei Belegbetten, gerade Urologie oder Augenheilkunde sind da oftmals so Beispiele dafür, wo oftmals nur Belegbetten vor Ort sind, aber wo nicht vierundzwanzig Stunden ein Facharzt vertreten ist.
00:05:05: Grit: Okay, aber diese Nummern oder Beratungen, die kannst du auch bei deiner Krankenkasse erfragen, oder?
00:05:10: Daniela: Richtig. Je nach Versicherungsmodell und Versicherung kann man auch als Erstes, äh, bei der Krankenkasse anrufen und sich besprechen.
00:05:19: Grit: Okay, also fassen wir das mal ganz, das Ganze mal kurz zusammen. Es macht nicht wirklich Sinn, eigentlich, ähm, selbstständig zu entscheiden, was man vielleicht in einer, äh, speziellen Situation, wenn es einem schlecht geht, macht.
00:05:33: Grit: Also dass man dann sofort ins Krankenhaus fährt, sondern dass es vielleicht durchaus auch mal sinnvoll ist, wenn man sich dazu in der Lage fühlt, eben erst mal eine Beratungsstelle aufzusuchen, respektive das, was du jetzt gerade erzählt hast.
00:05:46: Daniela: Genau, richtig. Das sind medizinische Notfalltriage-Stellen, die das dann dementsprechend aufgleisen, welche Situation wann wo vorgestellt werden kann.
00:05:58: Daniela: Genau.
00:05:59: Grit: Okay, also spricht man zuerst eventuell mit der Krankenkasse oder dem ärztlichen Notdienst und wenn die dann sagen: „Ja, okay, das macht eventuell Sinn, da ins Krankenhaus zu fahren", oder sie sagen einem dann auch im besten Fall, das kann man auch eventuell ambulant abklären. Erst dann sollte man darauf entsprechend reagieren und, äh, entweder eben ins Spital gehen oder ins Krankenhaus gehen oder eben nicht.
00:06:23: Daniela: Mhm. Genau. Je nach Region kann es natürlich unterschiedlich aufgegleist sein. Es gibt mittlerweile auch Krankenhäuser, welche eine Notfallpraxis an ihre eigentliche Notaufnahme angegliedert haben, um dort medizinische Situationen abzuklären, welche nicht lebensbedrohlich sind. Je nachdem, wer Dienst hat und wo man selbst wohnt, hat man vielleicht, was die Distanz angeht, etwas mehr oder weniger Glück.
00:06:55: Daniela: Jedoch wenn man auf Termin kommen kann und dann den richtigen Ansprechpartner vor sich hat, ist es sicher Lebenszeitgewinn. Und ja, je nachdem, wer Notdienst hat und welche Kompetenzen diese Person mitbringt, hat man vielleicht auch mehr oder weniger Glück, was zum Beispiel Nähen oder Röntgen angeht, je nachdem, wie die Praxis ausgestattet ist, je nachdem, was das für eine Fachärztin, Facharzt ist.
00:07:22: Daniela: Und dennoch rentiert sich's auf jeden Fall, sich vorher zu besprechen, weil es auch außerhalb der klassischen Praxis- und Bürozeiten ambulante medizinische Versorgung gibt. Weil es gibt Hintergrundinformationen und Querverbindungen, die man als Laie nicht unbedingt weiß in der Notfalltriage. Zum Beispiel, es gibt Hausarztpraxen, Familienpraxen Da steht Hausarztpraxis dran.
00:07:53: Daniela: Die versorgen aber nicht nur Erwachsene, die versorgen beispielsweise auch von Säuglingen bis zum Kreis. Und wenn die zum Beispiel Notfalldienst haben und man hat 'ne Familie, die ruft an, alle hat's aus den Socken geknallt, alle sind krank und die rufen an und diese Praxis hat Notfalldienst und man weiß, dass die alle versorgen, dann kann man die alle in diese Praxis schicken und dann sind alle gut versorgt.
00:08:20: Daniela: Im Gegensatz, wenn die jetzt einen Tag später anrufen und es hat, ich sag jetzt mal normal, Anführungszeichen, normale Allgemeinmediziner Dienst und eben 'n Pediater und der eine versorgt nur Erwachsene und der andere versorgt nur Kinder. Dann läuft's natürlich so, dass die Erwachsenen werden zum Allgemeinmediziner kommen und die Kinder zum Kinderarzt und dann wird, ja, die Familie den halben Tag unterwegs sein, dass da jeder mal beim Arzt ist.
00:08:50: Daniela: Und oder zum Beispiel, es gibt ja jetzt immer mehr Gemeinschaftspraxen, wo dann jeder Arzt, jede Ärztin so 'n bisschen den eigenen Fachbereich hat. Und wenn ihr, wenn man sich jetzt zum Beispiel 'n Finger schneidet und so 'ne Gemeinschaftspraxis hat Dienst und es hat derjenige Dienst, der so 'n bisschen Kleinchirurgie macht, dann hat man da natürlich Glück, dann wird man da ambulant versorgt.
00:09:13: Daniela: Im Gegenzug, wenn man da jetzt 'ne Woche später anruft, auch mit 'm Schnitt im Finger und dieselbe Praxis hat Dienst, aber es hat dann 'n anderer aus der Praxis Dienst, der vielleicht eher Richtung Kardiologie ist, dann heißt's ganz schnell, ja, kann ich nicht übernehmen, muss ins Krankenhaus. Oder es gibt zum Beispiel auch die Situation, Ärzte haben oftmals gar nicht die Einweisung für Röntgen- und Labordiagnostik.
00:09:39: Daniela: Das machen oft die Arztassistenten beziehungsweise die MPAs. Und wenn jetzt der Arzt zwölf Stunden Dienst hat, dann ist da die MPA nicht unbedingt zwölf Stunden auch mit da, sondern dann macht die vielleicht acht Stunden und die anderen vier Stunden macht die Ärztin, der Arzt selber. Das heißt, in den acht Stunden, wo die MPA da ist, da kann man Leute schicken, die 'n Röntgen oder 'ne Labordiagnostik brauchen.
00:10:04: Daniela: Und in den anderen vier Stunden, wo der Arzt, äh, noch Dienst hat, heißt's dann, nee, kann ich nicht übernehmen, muss bitte ins Krankenhaus. Das heißt, man hat an ein und demselben Tag für dieselbigen Situationen verschiedene Anlaufstellen dann am Ende, wo man hinkommt. Und es gibt Praxen, die, ja, die haben Röntgen, die haben Ultraschall, die haben Labor, die nähen, die kleben.
00:10:31: Daniela: Und es gibt Praxen, da hat die Ärztin, der Arzt 'n Stethoskop und 'n Rezeptblock. Und das sind alles so Hintergrundinformationen, die hat man ja als Laie nicht. Man weiß nicht, wer da jetzt Dienst hat und was für Kompetenzen die haben oder was für 'ne Ausstattung. Und deswegen macht's wirklich Sinn, dass man sich da mit der Triage-Stelle, mit 'm ärztlichen Notfalldienst bespricht.
00:10:57: Daniela: Auch wenn man dann am Ende vielleicht doch im Krankenhaus landet, ist die Vorabsprache sicher sinnvoll.
00:11:04: Grit: Okay und zum Beispiel jetzt für psychische Beschwerden, wenn du jetzt nur in Anführungsstrichen psychische Beschwerden hast, ähm, gibt es ja auch eigentlich viele Anlaufstellen.
00:11:15: Daniela: Absolut. Auch da gibt man entweder ärztlichen Notfalldienst in die Suchmaske ein oder direkt psychiatrischer Notfalldienst und dann wie auch vorher die Stadt, das Bundesland, den Kanton oder den Bezirk.
00:11:29: Grit: Okay, das muss ja jetzt aber auch nicht grade 'n psychischer Notfall sein, sondern wenn man einfach mal reden will oder man möchte, dass jemand einem mal zuhört, ernst genommen werden möchte oder über seine Ängste, Nöte und seelischen Belastungen sich austauschen möchte. Was gibt es da?
00:11:47: Daniela: Dann gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz, egal ob man Kind, Jugendlicher oder Erwachsener ist, ganz tolle kostenfreie vierundzwanzig Stunden Hotlines.
00:12:00: Daniela: Da rentiert sich's auch wirklich mal im Internet zu surfen und sich zu erkundigen.
00:12:05: Grit: Okay, es wird vielleicht manchmal auch, wenn man jetzt in so einer Situation ist und einfach nur mit jemandem reden möchte oder so etwas schwierig, da grade 'ne Idee zu haben, was man in die Suchmaske eingeben kann. Was hast du da für Vorschläge?
00:12:18: Daniela: Also eine Idee wäre als Schlagwort zum Beispiel Kinder- oder Jugendtelefon. Seelsorgetelefon, Sorgentelefon, Krisentelefon. In Deutschland gibt's zum Beispiel Nummer gegen Kummer. In Österreich, die haben also 'ne feste Telefonnummer, zum Beispiel die eins vier zwei für die Seelsorge und die eins vier sieben für Kinder- und Jugendtelefon.
00:12:49: Daniela: In der Schweiz gibt's auch so 'ne Kurznummer, die eins vier drei. Die haben die Dargebotene Hand oder das, äh, oder die Kinderseele. Also das sind jetzt nur einzeln erwähnte, aber es gibt da wirklich viele, viele tolle Angebote auf jeden Fall. Und was, ja, vielleicht interessant, aber ich finde auch wichtig zu wissen, ist, dass diese Kolleginnen und Kollegen von diesen Hotlines wirklich gut geschult und ausgebildet werden.
00:13:20: Daniela: Sie im vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche Dienst mehrsprachig in Chat- wie in Telefonform präsent sind und das oftmals im Ehrenamt. Also wirklich zu tiefstem Dank und Hut ab, weil sie leisten einen enorm wichtigen Beitrag im Gesundheitswesen und in unserer Gesellschaftsform. Ich würd mir wünschen, dass sich das ändert und dass diese Kolleginnen und Kollegen gut entlohnt und gewürdigt werden, weil mit Applaus alleine ist es da nicht getan.
00:13:59: Grit: Du, ich hab mir jetzt aber mal 'ne Frage gestellt: Was ist denn der Unterschied zwischen dem ärztlichen Notfalldienst und der Telefonnummer von Sanität und Rettungsdienst?
00:14:08: Daniela: In der Schweiz beispielsweise gibt es Kantone, wo die ärztliche Notfalltriage über die gleiche Nummer läuft wie der, wie der Sanitätsdienst.
00:14:18: Daniela: Also da gibt's eine Anlaufstelle. Grundsätzlich sind alle Notfalleinheiten, sei es Polizei, Feuerwehr, Sanität, ärztlicher Notfalldienst so aufgestellt, dass wenn man bei einer falschen Nummer anrufen würde, dass die zuständigen Stellen sich untereinander alarmieren können. Kostet im Zweifelsfall ein paar Sekunden mehr oder ein, zwei Minuten, aber grundsätzlich braucht man keine Sorge haben, dass man verloren geht oder hinten runterfällt.
00:14:54: Daniela: Sicher muss man direkt die Sanität wählen, wenn 'ne Person bewusstlos ist, nicht reagiert oder droht, bewusstlos zu werden. Mühe mit der Atmung hat, größere Mengen Blut verliert, neurologische Ausfälle wie bei Anzeichen von einem Schlaganfall zum Beispiel. Also sprich, kann nicht mehr richtig reden, spürt, äh, vielleicht auch gewisse Stellen am Körper nicht mehr.
00:15:27: Daniela: Hat wie beim Schlaganfall manchmal ein herunterhängendes Auge oder einen herunterhängenden Mundwinkel, hat vielleicht auch im Gesicht, sieht nicht richtig auf dieser Seite zusätzlich, hat auf dieser Seite vielleicht auch Wahrnehmungsstörungen, spürt vielleicht einen Teil vom Körper nicht mehr, solche Dinge.
00:15:50: Daniela: Genauso beim Herzinfarktsymptomen, das heißt stechender Schmerz in der Brust, oftmals ausstrahlend in den linken Arm oder in den Hals. Bei Frauen auch manchmal atypisch, die haben dann eher Beschwerden im Oberbauch. Gar nicht unbedingt muss das so klassisch in der Brust sein. Und diese Menschen haben dann auch wirklich Ängste, Panik, 'ne beschleunigte Atmung oftmals, haben das Gefühl, dass das Herz, ähm, vielleicht auch nicht nur schmerzt, sondern sich auch anders verhält vom Schlagen her.
00:16:29: Daniela: Also da, wenn jemand sagt, irgendwie am Herz, das fühlt sich anders an wie sonst, da kann man sicher sich mit den Kollegen von der Sanität besprechen. Bei größeren Verbrennungen, Verbrühungen, bei Unfällen mit schweren Verletzungen, genauso wie bei allergischen Reaktionen jetzt gerade im Sommer wichtig bei Insektenstichen.
00:16:53: Daniela: Insektenstiche können natürlich lokal an der Stelle, die können anschwellen, das kann dick werden, das kann rot werden, das kann warm werden, heiß werden, das kann auch richtig wehtun. Und das macht dann mit Sicherheit auch Sinn, wenn das so ausufert, dass man das dem Arzt zeigt oder der Ärztin. Und ja, möglicherweise braucht's dann vielleicht auch mal 'ne Antibiotikaunterstützung.
00:17:21: Daniela: Aber was wirklich im Akutfall wichtig ist, wenn's 'n Insektenstich gab und es fängt jemand an, so ganz bewusst Luft zu holen. Also wenn die sich dann hinsetzen und wenn die dann auf einmal so ganz bewusst tief einatmen. Also da darf man hellhörig werden und da darf man auch nachfragen. Und wahrscheinlich sagen die im ersten Moment gar nicht: "Oh, ich krieg keine Luft mehr", sondern im ersten Moment kommt ein: "Ja, irgendwie ist das komisch."
00:17:55: Daniela: Und irgendwie, ich weiß nicht. Oder so Aussagen wie: „Ja, irgendwie, das juckt so oder das kratzt so im Hals." Und das sind Momente wirklich, egal ob Kind und Erwachsener und egal wo man ist Wirklich 'n Rettungsdienst anrufen. Weil wenn die Atemwege aufgrund von 'ner allergischen Reaktion zuschwellen, da hat man dann nicht mehr so viel Zeit und vor allem, man verliert da dann auch schnell die Ruhe.
00:18:30: Daniela: Genauso, wenn was gegessen wurde, was getrunken wurde. Ich hatte zum Beispiel jetzt ab und zu mal Eltern, die angerufen haben und dann war die Situation, ja, also eigentlich können sie die Situation gar nicht richtig einschätzen, aber irgendwie ihr Kind, das schmatzt jetzt immer so und das, ja, sagt immer, der Hals juckt so komisch.
00:18:58: Daniela: Und ja, und wenn man dann so'n bisschen nachfragt, dann kam dann, ja, es hat 'n, ähm, Nussjoghurt gegessen. Und dann ist wirklich Sanität angesetzt. Und das ist dann auch wichtig, dass die sofort kommen und dass die sofort, egal wie gesagt, ob Kind oder Erwachsener, dass die möglichst zeitnah da sind. Und auch sonst bezüglich allergischen Reaktionen, wenn das bekannt ist, dass man Allergiker ist, die haben ja oftmals 'n Notfallpen, aber auch dann die, äh, allergische Reaktion einsetzt, auch wenn man den Pen hat, bitte Kontakt mit der Sanität aufnehmen.
00:19:45: Daniela: Es kann auch mal wie 'nen Nachschub geben, so was gibt's. Und dann macht es Sinn, wenn man sich mit denen bespricht oder wenn die alarmiert sind und lieber kommen die einmal und müssen dann nicht aktiv handeln und gehen dann wieder, als dass es dann mal eng wird. Warum ich das so erwähn mit diesem auch wenn man Notfallpen oder Notfallmedikamente hat, dass man trotzdem die Sanität informiert, hat damit zu tun: Ich hab 'ne ärztliche Kollegin und die hatte leider die Situation, dass sie 'ne junge Patientin, junges Mädchen hatte, was auf 'ner Geburtstagsfeier war.
00:20:30: Daniela: Und die hatte dann was gegessen, was 'ne allergische Reaktion hervorgerufen hat. Und die hatte auch 'n Notfallpen. Die haben den auch angewendet und waren dann eben auch der Meinung, dass das ja jetzt passt und dass sich das jetzt stabilisiert. Und bis dann irgendwie allen klar war, dass die Medikamente nicht ausreichen und dass das nicht ausreichend greift und dass sich das nicht stabilisiert.
00:20:56: Daniela: Und ja, bis das dann mal so ankam und verstanden wurde und bis dann die Sanität gerufen wurde, bis die dann da waren, verging eben 'ne gewisse Zeit. Ja, mit dem Ergebnis, dass man dem Mädchen nicht mehr helfen konnte. Und das ist natürlich 'ne totale Vollkatastrophe, auch für die Ersthelfer, für alle Beteiligten, wenn man weiß, es ist 'ne Situation, die man grundsätzlich im Griff haben könnte, aber man ist einfach ein paar Minuten zu spät.
00:21:31: Daniela: Und deswegen sage ich das so explizit, auch wenn man Notfallmedikamente hat, auch wenn man Notfallpen hat, wenn man 'ne allergische Reaktion hat, bitte Kontakt mit der Sanität, dass man da auf jeden Fall auf der sicheren Seite ist und dass das gut kommt. Also das sind alles auf jeden Fall Situationen, wo man sofort die Sanität anrufen kann.
00:22:02: Daniela: Und selbstverständlich im Zweifelsfall auch. Wenn man unsicher ist, dann ruft man an.
00:22:08: Grit: Sehr schön, vielen Dank. Ich hab keine Fragen mehr, Daniela.
00:22:12: Daniela: Übrigens, wusstest du, dass der Handlungsrahmen und der Kompetenzbereich von den einzelnen Fachpersonen im Gesundheitswesen allein im deutschsprachigen Raum sehr unterschiedlich ist?
00:22:25: Grit: Ja, das weiß ich sogar tatsächlich, weil das nämlich allein schon bei den Heilpraktikern anfängt, dass sie in Deutschland beispielsweise spritzen dürfen, was sie in der Schweiz nicht dürfen. Hast du denn noch andere Beispiele?
00:22:39: Daniela: Ja, wenn man bei dem Thema Deutschland und Schweiz bleibt, die Kolleginnen und die Kollegen beispielsweise aus dem Sanitätsdienst oder aus der Pflege.
00:22:52: Daniela: Denn die Schweizer zum Beispiel haben wesentlich größeres Handlungsfeld, in dem sie sich bewegen und wesentlich mehr Kompetenzen, die sie bespielen im Vergleich zu den Deutschen. Die Deutschen werden im Vergleich sehr früh in ihren Möglichkeiten zu handeln zurückgesetzt, obwohl sie grundsätzlich das Wissen und die Fähigkeiten hätten, weil in Deutschland ist es dann Arztsache.
00:23:19: Grit: Hm, das ist aber ja nicht so sinnvoll, denn die Sanität wie die Pflege sind ja meistens die ersten am Patienten.
00:23:27: Daniela: Das lassen wir jetzt mal so stehen. Wir informieren, die anderen dürfen diskutieren. Wenn was dabei war, was Sie oder ihr noch nicht wusstet oder ihr interessant fandet, Daumen hoch, Folge teilen.
00:23:42: Daniela: In diesem Sinne macht es gut, passt auf euch auf, bleibt gesund. Wir machen gemeinsam das Beste draus. Tschau. Tschüss. Bei Fragen, Unsicherheiten oder einem unguten Gefühl kontaktieren Sie je nach Tag und Uhrzeit Ihre eigene Ärztin oder den eigenen Arzt, die eigene Hebamme, den eigenen Geburtshelfer oder die eigene Therapeutin, den eigenen Therapeut, die diensthabende Notfallapotheke sowie die Telefonnummer des ärztlichen Notfall- beziehungsweise Bereitschaftsdienstes.
00:24:17: Grit: Der Podcast gibt keine Heilungsversprechen. Der Podcast ist kein Ersatz für eine medizinische Abklärung. Der Grundgedanke dieses Podcasts ist es, eine Unterstützung zu geben, die aktuelle Situation besser einzuschätzen, in eine stabilere Handlungsfähigkeit zu kommen, Zusammenhänge leichter zu verstehen, sowie am Ende aufgestellter durch manche unangenehme Situation zu gehen und zu wissen, welche möglichen Anlaufstellen passende Unterstützung geben können.
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