#4 Gefahr Eiswürfel

Shownotes

Sommer, Sonne, Sonnenschein – und ein eiskaltes Getränk. Doch was steckt wirklich hinter dem vermeintlich harmlosen Eiswürfel im Glas? Wir erzählen, wie aus einem gemütlichen Abendessen mit unseren Familien eine spannende Diskussion über Hygiene, Verschluckungsgefahr und überraschende gesundheitliche Risiken wurde. Gemeinsam beleuchten wir, warum selbst in Europa Eiswürfel nicht immer so sauber sind, wie sie scheinen, und welche unerwarteten Auswirkungen sie auf Nerven und Zähne haben können. Mit persönlichen Erfahrungen, medizinischem Know-how und einer Prise Humor nehmen wir Sie mit durch die Risiken hinter dem beliebten Sommerklassiker. Hören Sie rein und erfahren Sie, warum wir beim nächsten Mal lieber auf den Eiswürfel verzichten!

Daniela Ammon: https://www.public-health-ammon.com Grit Knapp: https://www.taktil-therapie.ch

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00:00:00: Grit: Herzlich willkommen zum Podcast Das Kind braucht einen Namen. Der Podcast für Ihre Gesundheitskompetenz am Wochenende, an Feiertagen und nachts um zwei. Mit Daniela

00:00:13: Daniela: Ammon

00:00:14: Grit: und Grit Knop

00:00:18: Daniela: Und herzlich willkommen zu Sommer, Sonne, Sonnenschein. Und was passt besser zu diesem Thema als Eiswürfel im Getränk? Das wird heute unser Thema sein. Und wir kamen tatsächlich auf dieses Thema, weil die Grit und ich mit unseren Familien beim Abendessen waren, eben an einem wunderschönen Sommer, Sonne, Sonnenschein, milden Sommerabend.

00:00:45: Daniela: Und es war, wie's war. Die Getränke kamen mit Eiswürfeln und wir konnten gar nicht so schnell gucken, als das erste Kind schon den Eiswürfel im Mund hatte und wir beide wie im Chor: „Bitte nimm den Eiswürfel raus." Und wie das dann so bei autoritären Müttern ist, hat das Kind das natürlich sofort gemacht.

00:01:05: Daniela: Aber es bedarf ja dann auch immer einer Erklärung, ne. Nicht nur einer Aussage, sondern auch einer Erklärung. Und dann haben die Grit und ich mal so erklärt, warum, wieso, weshalb keine Eiswürfel. Und so kam jetzt auch diese Sendung zustande und unsere Ausführungen, warum, wieso, weshalb keine Eiswürfel, das werden wir jetzt heute hier mal darlegen.

00:01:32: Daniela: Also die erste, und ich glaube, das brauchen wir nicht näher erklären, das kann sich jeder für sich ausmalen. Der erste Gedanke und der erste Impuls ist natürlich die Verschluckungsgefahr, weil ja, so 'n Eiswürfel schmilzt, aber er ist doch im ersten Moment, auch wenn er ein kleiner Eiswürfel ist, ein ganz schöner Brocken, der sich, wenn's blöd läuft, auch verkanten kann.

00:01:56: Daniela: Und wenn der dann so im Hals drin hängt und bis der dann mal schmilzt und bis der dann mal abrutscht, kann das schon auch 'ne sehr ungünstige Situation sein. Vor allem auch bei Kindern, wo ja die Anatomie alles noch 'n bisschen kleiner, bisschen filigraner, bisschen dünner ist. Muss nicht sein. Das war so der erste Gedanke von mir: Verschluckungsgefahr.

00:02:22: Daniela: Und der zweite Gedanke, den ich hatte, war tatsächlich die Hygiene. Ich hab 'ne Freundin, die, äh, arbeitet bei einer Airline, ist Flugbegleiterin und die haben tatsächlich von ihrem Arbeitgeber die Anordnung, dass wenn sie fliegen, dass sie keine Getränke mit Eiswürfel trinken dürfen, wenn sie im Ausland sind.

00:02:47: Daniela: Das ist 'ne Arbeitsanweisung aus hygienischen Gründen. Und ich hab mich da jetzt mal ein bisschen erkundigt und belesen. Und wer jetzt mit dem Argument kommt: „Ja gut, irgendwie Afrika, Südamerika oder in sonst irgendwelchen Ländern, alles, was weit weg ist. Ja, da kann man sich das schon vorstellen, aber hier bei uns im Europa oder im deutschsprachigen Raum, da gibt's doch Regeln, da gibt's doch Auflagen, da wird doch alles kontrolliert, da ist doch alles gut."

00:03:19: Daniela: Nee, ist es nicht. Also das Bundesamt für Verbraucherschutz in Deutschland hat mal da so getestet und kam auf ein Ergebnis, dass jede fünfte Probe infiziert war beziehungsweise der Grenzwert überschritten war. Ebenso hat die Schweiz getestet und der Kassensturz hat rausgegeben, dass bei jedem zehnten Restaurant Keime beziehungsweise Bakterien in den Eiswürfeln nachgewiesen wurden.

00:03:52: Daniela: Und auch in Österreich sind die Zahlen nicht sehr viel besser. Also, und zwar ist es so, dass die Bakterien bis zu minus achtzig Grad überleben. Sie vermehren sich zwar nicht, aber sie überleben. Und in dem Moment, wo der, wo die Eiswürfel in das warme Getränk gegeben werden, in dem Moment gibt's quasi 'ne explosionsartige Vermehrung und das hat man dann alles in seinem Getränk drin.

00:04:23: Daniela: Und da geht's nicht nur darum, dass das Wasser, aus dem die Eiswürfel gemacht wurden, an und für sich vielleicht verunreinigt ist, sondern es geht auch um die Maschine, wie oft die gereinigt wird, wie die gereinigt wird, wie die Handhabung mit den Eiswürfeln ist. Werden die mit Zange, mit 'ner Schaufel oder mit den Händen in irgend'ner Form transportiert?

00:04:50: Daniela: Wie ist die Lagerung? Wie ist das Behältnis der Lagerung? Sind die Temperaturen konstant oder gibt's schon in der Lagerung oder in der Zwischenlagerung Schmelzvorgänge? Und die Bakterien, die da zum Teil gefunden wurden, sind also nicht ohne. Also da kam zum Beispiel der Pseudomonas zum Vorschein, da kamen die Clostridien zum Vorschein, da kamen E.

00:05:16: Daniela: coli Bakterien zum Vorschein, ebenso die Enterokokken. Und wenn man sich mit den Bakterienstämmen mal so beschäftigt, dann kann davon ganz lapidar Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, blutiger Durchfall, Fieber bis hin zum Beispiel beim Pseudomonas aeruginosa ist es so, der kann vom Harnwegsinfekt bis zur Lungenentzündung bis zur Sepsis von Knochengelenksinfektion Bis hin zum Hirnabszess kann der alles Mögliche verursachen.

00:06:00: Daniela: Ebenso die Clostridien, Magen-Darm-Beschwerden, oftmals auch ohne Fieber. Dann die E. coli-Bakterien, die teilweise ja auch natürlich in der Darmflora vorkommen können, können aber auch Erkrankungen hervorrufen, vom Durchfall über Darmentzündungen bis hin zum Nierenversagen. Und auch die Enterokokken, gerade bei immungeschwächten Leuten vom Harnwegsinfekt über Bauchfellentzündung bis hin zur Herzklappenentzündung.

00:06:37: Daniela: Also das sind alles Bakterien, da ist es dann mit ein bisschen Bauchweh und Blähungen nicht getan. Und ja, wie die Tests zeigen, muss man da auch nicht sehr weit fahren, um möglicherweise da in eine ungute Situation zu kommen. Und ja, und dann hatte ich meine Ausführungen so dargelegt und dann kam aber noch die Krit.

00:07:02: Daniela: Die hatte nämlich noch ganz andere Gedanken und Argumente, warum keine Eiswürfel bitte.

00:07:09: Grit: Ja, während die Kinder da immer grüner wurden im Gesicht eigentlich bei so einem schönen Sommerabend zum Lauen, ist mir tatsächlich auch gar nicht das eingefallen, äh, was ich nebenbei gesagt auch ziemlich ekelhaft finde.

00:07:26: Grit: Aber mir ist in erster Linie tatsächlich der Vagusnerv eingefallen, der einer der zwölf Hirnnerven ist. Und Hirnnerven, die entstanden so wie es jetzt schon, ähm, auch der Name hergibt, aus dem Hirn und, ähm, haben unterschiedliche Aufgaben. Sie versorgen zum Beispiel die Augen, äh, dass die sich bewegen können oder ein anderer Nerv, der versorgt die Gesichtsmuskeln, dass die bewegt werden können.

00:07:53: Grit: So hat da jeder seine Aufgabe und der Vagusnerv, das ist, äh, der längste Nerv, äh, da aus dem Hirn herauskommend und der, äh, zieht sich bis in den Bauchraum rein und ist auch sehr interessant, in aller Munde sogar, ähm, schon fast in Mode gekommen Und der heißt Vagusnerv lustigerweise, weil er der Vagabund ist.

00:08:12: Grit: Das heißt, er hat überall so'n bisschen seine Fasern und Nerven ausgeweitet und, äh, verteilt im Körper. Und unter anderem zieht der eben auch durch den, ähm, Brustraum hindurch und der kann, wenn man dann eben so'n garstigen, glitschigen Eiswürfel verschluckt, kann dieser Vagusnerv gereizt werden. Nicht direkt, aber die plötzliche Kälte in der Speiseröhre kann dem dann einen kleinen Schock versetzen und dann kann es zu Schwindel kommen, im dümmsten Fall bis zum Kreislaufkollaps, äh, oder es kommt zu komischen Reflexen, weil dieser Nerv eben den, äh, Bauchraum, also mit den Organen versorgt, teilweise das Herz versorgt, also sich um den Herzschlag, die Atmung und die Verdauung kümmert, grob ausgesprochen.

00:09:09: Grit: Genau, wenn man sich jetzt aber eben verschluckt an so 'nem Eiswürfel und diese plötzliche Kälte in der Speiseröhre kommt, kann es eben zu so einer Vagus-, äh, übermäßigen Vagusstimulation kommen und dann eben, mm, kann es, wenn es doof läuft und man auch 'n bisschen schon eine Vorerkrankung oder ein schwaches Herz hat, zu 'nem kurzzeitigen Atemstillstand kommen oder definitiv zu 'nem Kreislaufabfall, Schwindel oder vielleicht sogar zu 'nem Herzstolpern.

00:09:37: Grit: Und das alles wollen wir ja natürlich nicht. Deswegen verzichten wir darauf, so ein garstiges Ding abzuschlucken und eigentlich gar nicht in den Mund zu nehmen. Und das Lustige ist, als ich mit einer Freundin essen war, die ihres Zeichens Zahnärztin ist, sie meinte nun rum, wieder aus ihrem Fachgebiet, äh, zu erzählen oder wusste zu erzählen, dass eben so ein Eiswürfel ja nun eben tatsächlich sehr kalt ist.

00:10:06: Grit: Und wenn der dann in die Mundhöhle kommt und auf einen, ähm, circa 36 Grad warmen Zahn trifft, dass es dort dann eben, ja, zu einem Spannungs-, äh, riss tatsächlich im Zahn kommen kann, weil das der Zahn nämlich gar nicht witzig findet, wenn es da plötzlich so kalt ist. Oder dass es Risse im Schmelz gibt. Und dann haben wir hier die Zahnfee 2.0, würde ich mal sagen.

00:10:37: Grit: Das wollen wir auch nicht. Sie wusste tatsächlich zu berichten, dass sie's in diesem Sommer schon mehrfach da zu, äh, solchen Fällen, ähm, kommen, also dass, dass tatsächlich, äh, in den Ferien dann einige Kinder zu ihr gekommen sind, bei denen sie dann das eben behandeln musste. Das dazu, einen Eiswürfel eben mal schnell in den Mund zu nehmen und zu kauen.

00:11:00: Grit: Fragt man sich, wenn man das alles hört, ist es wert, einen Eiswürfel in den Mund zu nehmen.

00:11:08: Daniela: In diesem Sinne: Sommersonne, Sonnenschein. Genießt den Sommer. Ja, mit gekühlten Getränken. Nein, mit Eiswürfeln. Alles Liebe. Macht's gut. Bleibt gesund. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Tschüss. Bei Fragen, Unsicherheiten oder einem unguten Gefühl kontaktieren Sie je nach Tag und Uhrzeit Ihre eigene Ärztin oder den eigenen Arzt, die eigene Hebamme, den eigenen Geburtshelfer oder die eigene Therapeutin, den eigenen Therapeut, die diensthabende Notfallapotheke sowie die Telefonnummer des ärztlichen Notfall- beziehungsweise Bereitschaftsdienstes.

00:11:51: Grit: Der Podcast gibt keine Heilungsversprechen. Der Podcast ist kein Ersatz für eine medizinische Abklärung. Der Grundgedanke dieses Podcasts ist es, eine Unterstützung zu geben, die aktuelle Situation besser einzuschätzen, in eine stabilere Handlungsfähigkeit zu kommen, Zusammenhänge leichter zu verstehen, sowie am Ende aufgestellter durch manche unangenehme Situation zu gehen und zu wissen, welche möglichen Anlaufstellen passende Unterstützung geben können.

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